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Absolventen

Niemand weiß mehr über demokratische Bildung als die Schüler, die sie am eigenen Leibe erlebt haben. Nicht in der Theorie, sondern in der Praxis. Wie ist es, an einer demokratischen Schule zu lernen? Wie schwer ist es danach, sich an andere Schul- oder Universitätssysteme anzupassen? Wie bereitet dich demokratische Bildung auf das wirkliche Leben vor? Lies, was Absolventen demokratischer Schulen über ihre Erfahrungen berichten ...

Rachel Roberts an der Sands-School
Paco Yoncaova in der Kapriole
Chae-eun Park in Summerhill
Anna Ramm in Summerhill

Rachel Roberts - demokratische Bildung und ich


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Als ich zwölf Jahre alt war, war ich Schülerin an der staatlichen Gesamtschule in unserer Stadt. Ich war immer eine fähige Schülerin gewesen, intelligent, interessiert, motiviert. Aber jetzt hatte ich Probleme. Probleme mit dem System; Authorität, zu den Besseren zu gehören, Prüfungsdruck, sozialer Druck und Regeln von oben, deren Sinn ich nicht erkennen konnte. Ich wurde depressiv und krank. Ich ging nicht mehr zur Schule, ich hörte weitestgehend auf zu sprechen, mehr oder weniger hörte ich auf erkennbar ich selbst zu sein. Meine Eltern waren besorgt und verzweifelt. Was könnte die Lösung sein? Was könnte ihre Tochter zurückbringen?


Wir hatten das Glück, im schönen südlichen Devon (England) in der Nähe der demokratischen Schule SANDS zu leben. Ein Familienfreund kannte die Schule und dank glücklicher Umstände bot er an, uns bei der Bezahlung der Schulgebühren zu unterstützen. Ich hatte von der Schule gehört und war misstrauisch: War diese Schule nicht für besondere Kinder, Problemkinder? Trotzdem entschied ich mich, es mal zu versuchen.

An meinem ersten Versuchstag setzte ich mich mit einem Lehrer hin und er sagte: "Ich sag dir, wie es hier geht. Du musst keine Prüfungen bestehen. Ganz im Gegenteil: Du brauchst nichts zu tun, was du nicht tun möchtest." Das war perfekt. Schon während meiner Probewoche begann ich den langsamen Prozess zurück zu mir selbst. Ohne den Druck der Anderen musste ich nur noch mir selbst und meinen eigenen Erwartungen genügen - und meine Erwartungen an mich selbst waren hoch genug. Schon immer mochte ich die Struktur von Regeln, aber nie verstand ich all die sinnlosen Regeln des Lebens. Hier konnte ich Teil des Aufstellens der Regeln sein und dazu beitragen, dass nur Regeln existierten, die Sinn machten. Die Schule passte zu mir wie ein Handschuh.

In meinen drei Jahren an der SANDS-Schule hab ich viele Sachen gemacht. Ich schrieb Gedichte, machte verrückte Skulpturen, kletterte, machte eine Million Pom-Poms (Chearleader Jubelbüsche), spielte in Theaterstücken, trank unendlich viel Tee, sprang in den Fluss, Sprach über alles von Gänsen bis zum Feminismus, leitete Schulversammlungen, agitierte, sprach mit Menschen jeden Alters, hörte zu und - irgendwo zwischen all dem - bestand ich den britischen Schulabschluss.

Als ich SANDS verließ, fühlte ich mich unzerstörbar. Ich war selbstbewusst, vielleicht ein bisschen arrogant. Ich hatte einen Weg des Funktionierens in dieser Welt gelernt der respektvoll war und Sinn machte. Ich wusste, ich könnte mich in alle wichtigen Kontexte kompetent einbringen und sie auch bei Bedarf wieder verlassen. Ich fühlte mich weit besser für die große, weite Welt vorbereitet als alle meine Gleichaltrigen. Ich wusste, was ich wollte und ich wusste, wie ich mich selbst motivieren konnte um meine Ziele selbstständig zu erreichen.

Anfangs am College wurde das von meinen Lehrern als "schlechte Einstellung" fehlverstanden. Sie wussten, dass ich von SANDS kam hatten mich von Anfang an als "Problemstudentin" eingestuft. Zurück in die autoritären Strukturen des Systems zu gehen, war am Anfang ein echter Kampf. Aber nach ein paar Monaten lernte ich, wo die Grenzen waren und wie ich sie so verschieben konnte, dass sie Sinn ergaben. Und meine Lehrer fingen an, meine direkte Art zu schätzen.

Anschließend ging ich zum Studium der Soziologie an die Universität York. Zu Beginn des Studiums fühlte ich mich immer noch besser vorbereitet als meine Mitstudenten. Ich kannte das selbstständige Lernen bereits und geht es an der Universität nicht vor allem darum? Trotzdem erlitt ich einen kleinen Schock: Es war das klassische "kleiner Fisch aus kleinem Teich im großen Ozean"-Phänomen. Keiner kannte mich, ich hatte keine persönliche Beziehung zu meinen Lehrern und schließlich dämmerte mir, dass ich bisher zwar mein Lernen selbst bestimmt hatte, dieses aber immer in einer kleinen, unterstützenden Umgebung passiert war mit sehr viel Vieraugengesprächen. Es war wieder ein Kampf. Ich musste lernen, wie selbstbestimmtes Lernen wirklich funktioniert aber am Ende habe ich es geschafft.

Mein Interesse an demokratischer Bildung verließ mich nie. Ich wählte Module in "Erziehung für eine bessere Welt" und "Die Philosophie der Bildung". Ich schrieb meine Dissertation über "Idealismus trifft Wirklichkeit" um zu erforschen, welche Art von Menschen demokratische Bildung hervorbringt und in welchem Maß sie für die Integration in diese Gesellschaft vorbereitet sind oder nicht.

Nach der Universität arbeitete ich für sechs Monate in einem Kinderheim. Das war herausfordernd und eine große Lernkurve für mich. Die Kinder und ich kamen aus unterschiedlichen Welten. Sie konnten kaum - und zwar ziemlich wortwörtlich - verstehen mit dem Respekt angesprochen und zugehört zu werden, der nach meiner Erkenntnis allen Menschen zusteht.

Beim verlassen dieses Jobs erinnerte ich mich, warum ich an die Wichtigkeit demokratischer Bildung glaubte und nahm mir vor, mich darin aktiver zu engagieren. Eines Tages tippte ich idealistisch 'Democratic Education Jobs' in die Google-Suchmaschine. Und unglaublich aber wahr, ein Praktikum beim Phoenix Education Trust tauchte auf. Ich hatte die Bewerbungsfrist verpasst, aber ich rief trotzdem an: Denn das war genau das, was ich tun wollte. Ich hab etwas über ein Jahr bei Phoenix gearbeitet, Anfgangs als Praktikantin und danach als Angestellte. Dadurch arbeitete ich mit der English Secondary Students Association (ESSA), koordinierte ihre jährliche "Student Voice"-Konferenz und bot Workshops in verschiedenen Schulen an. Wir boten den Schulen Unterstützung in der Entwicklung ihres "Voice"-Programms, verhalfen den Schülerstimmen dazu, Gehör zu finden und den Schülerräten dazu, demokratisch zu funktionieren.

Nach einem Jahr dieser Arbeit, wollte ich einen Schritt weiter in die radikale Richtung gehen und Erfahrungen in der Arbeit mit jüngeren Kindern machen. Ich sprach mit Anna von Phoenix darüber und sie schlug mir vor, die Freie Schule Leipzig zu kontaktieren - Leute, die sie und ich durch EUDEC kennengelernt hatten. Ich schrieb eine Bewerbungsemail und bot ein Praktikum als englisch Muttersprachlerin in ihrer Schule an.

Ich kam nach Leipzig für eine geplante Zeit von sechs Monaten ohne ein Wort Deutsch sprechen zu können. (Ich hatte nie eine Fremdsprache gelernt. Ich hatte es einfach nicht gewollt - ich war ja eine Schülerin einer demokratischen Schule, weißt du?) Heute, eineinhalb Jahre später habe ich eine Vollzeit-Lehrerstelle an der Schule und ich kann fast fließend Deutsch sprechen. (Diesen Text hat aber Gerd Wenning übersetzt ... Anmerkung des Übersetzers)

Ohne demokratische Bildung wüsste ich nicht, was aus mir geworden wäre. Mit Sicherheit wäre ich nicht hier und würde das tun, was ich gerade mache. Es hat alles in meinem bisherigen Leben geformt und es wird auch weiterhin meine Zukunft prägen.

Paco Yoncaova - Meine Erfahrungen in der Kapriole ... und darüber hinaus


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Ich verbrachte meine Grundschulzeit (in meinem Fall fünf Jahre) an einer demokratischen Schule in Freiburg, Deutschland. Danach besuchte ich eine Gesamtschule um dort 2006 das Abitur zu machen. Ich finde, dass meine Zeit an der demokratischen Schule - obwohl sie kürzer als an der staatlichen Schule war - mich erheblich für mein Leben geprägt hat: Ich glaube diese Zeit hat es mir ermöglicht, eine ganz bestimmte Geisteshaltung zu bewahren: Nämlich ganz natürlich an Dingen interessiert zu sein, es zu genießen Neues zu entdecken und zu lernen und nicht andauernd zu denken, dass ich Jemandem etwas beweisen muss. Ich möchte behaupten: Diese Zeit hat mir geholfen, eine Person zu werden, dessen Geist frei ist für den eigentlichen Inhalt einer Sache. Wenn ich auf meine Grundschulzeit zurückschaue, sehe ich die Freude, die in mir lebte. Da waren so viele Dinge zu entdecken, so viele Türen zu öffnen und das schöne daran war, dass wir alle - sowohl Teamer_Innen als auch die Mitschüler_Innen - wir haben es zusammen gemacht. Wir alle zapften diese große Blase des Wissens gemeinsam an mit unserer Motivation und unserem Interesse als Motor der uns antrieb. Alle waren ein Teil der Crew und stellten ihre oder seine Fähigkeiten zur Verfügung, um am Ende des Tages die größte Beute einzufahren. Da war niemand, der uns mit einer bestimmten Menge Stoff gefüttert hat, die wir sofort hätten lernen müssen. Wir waren alle wie kleine Nussschalen, die auf dem großen Ozean des Wissens tanzten. Und die Schule war unser Heimathafen wo wir uns die Werkzeugen und Materialien holten, die wir brauchten, um die interessanten Teile dieses tiefen Meeres ausgraben zu können.


Später in der Sekundarschule fühlte ich, dass Leute, die gute Noten schrieben ohne an den Themen interessiert zu sein oder etwas von ihnen zu verstehen, glücklicher waren als die Leute, die etwas von den Dingen wussten und verstanden - aber schlechte Noten schrieben. Demokratische Bildung hat mir dazu verholfen, meine Persönlichkeit nicht anhand von Noten zu bewerten. Ich fühle mich sehr gut vorbereitet auf das Leben und darauf, es in der Art und Weise zu leben, wie ich es wähle. Ich finde, dass viele Leute um mich herum in Schemen gefangen sind (Schule, Studium, Arbeit, Familie, Sicherheit, Versicherung). Ich habe das Gefühl, dass ich mich oft etwas davon lösen kann, Dinge aus einer anderen Perspektive sehe und dann das auswähle, was ich tun möchte.

In der Sekundarschule fühlte ich mich oft abgebremst durch das Springen von einem Test zum nächsten. Wir hatten keine Zeit hinter die Fassade zu schauen. Sehr oft haben wir nur gelernt einen Apfel zu pflücken und nicht, wie man einen Apfelbaum pflanzt. Später ist man verloren, wenn es da keine Äpfel mehr zu pflücken gibt. Man kann die Ursache des Problems nicht lösen. Ich glaube, dass die Zeit in der ich die demokratische Bildung genoss, mir die Geisteshaltung gab, die mich dazu bringt, die Ursache eines Problems zu lösen, anstatt mich verloren zu fühlen, falls die Werkzeuge die ich habe nicht passen. Das ist eine der wertvollsten Diamanten, die ich aus dieser Zeit mitgenommen habe. Viele Menschen erkennen das oft nicht als Lernen an, doch für mich ist es eines der wichtigsten Dinge, die man im Leben lernen kann. Denn diese Fähigkeit ist oft der Schlüssel um zu Dingen zurück zu kehren, die man vor langer Zeit einmal in der Schule gelernt aber schon längst wieder vergessen hat.

Nach dem Abitur hab ich für mehrere Monate in einem Projekt in Indien als Freiwilliger gearbeitet, meinen Zivildienst in Deutschland in einem Landschaftsarchitekturbüro gemacht und jetzt arbeite ich freiwillig für ein Projekt (über ein Jahr schon) um eine demokratische Schule in Peru zu gründen und zu etablieren. Manchmal versuchen mir Leute zu sagen, dass ich diese Jahre verliere, nur weil ich nicht studiere. Ich bin sehr dankbar, die Erfahrung gemacht zu haben, dass nicht nur Schulen und Universitäten Orte sind, an denen man lernen und studieren kann. Die ganze Welt ist voller Orten, an die ich gehen und wo ich etwas lernen kann.

Chae-eun Park - Meine Erfahrungen in Summerhill


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Ich kam im Alter von sieben Jahren nach Summerhill und verließ es im Alter von sechzehn - neun Jahre Aufenthaltszeit.


Da ist so viel von Summerhill - oder demokratische Bildung in diesem Zusammenhang - das mir ein einzigartiges Leben gegeben hat. Zuallererst, denke ich, in Summerhill mit all seiner Freiheit gewesen zu sein, gab mir eine glückliche Kindheit. Ich konnte tun, was auch immer ich wollte, wann auch immer ich es wollte und wo auch immer ich wollte. Ich wurde zu nichts gezwungen, aber ich tat sehr viel. Herumrennen, Spiele spielen, an den Armen großer Kinder oder den Ästen großer Kletterbäume herabhängen. Irgendwann wuchs ich aus diesen Aktivitäten heraus, fing an zum Unterricht zu gehen und übernahm einige Verantwortung in der Schulgemeinschaft. Das tat ich aus purem Interesse und Vergnügen. Alles was ich tat, war für mich selbstverständlich. Ein Treffen leiten, nicht zum Unterricht gehen oder hochgehen und einen Lehrer um Geschichtsunterricht zu bitten war einfach nur ein Bestandteil meines alltäglichen Lebens. Natürlich wusste ich immer genau, was ich wollte und wie ich es nur geführt von meiner Initiative auch erreichte. Als größeres Kind, das viel Verantwortung für die ganze Gemeinschaft übernahm (z. B. Sitzungen zu leiten, größere und kleinere Konflikte zu schlichten, Veranstaltungen organisieren, usw.) wuchs mein Selbstbewusstsein.

Da Summerhill ein Internat ist, stärkt das die Gemeinschaft. Die Kinder und Lehrer waren eher wie Familienmitglieder und weniger einfach nur Leute, die ich in der Schule kannte. Mit Freunden zusammenzuleben kann zu persönlichen Konflikten führen, aber heute denke ich, dass das Teil der Lektionen war, die ich in meinem Schülerleben lernen musste: Zu lernen mit Menschen zu leben und zu arbeiten. Wir hatten tolle Beziehungen zu den Mitarbeitern. Die Lehrer waren mehr sowas wie Freunde und es war einfach, mit ihnen in Kontakt zu kommen. Und weil es eine kleine Schule ist, konnten sie den Unterricht und die Außenaktivitäten an meine Bedürfnisse und die der Anderen anpassen. Da wir gleichgestellt waren, gab es keine klare formale Barriere zwischen Schülern und Lehrern. Wir konnten mit ihnen über alles, was uns bewegte, reden. Ich fand es faszinierend, mit Mitarbeitern zu sprechen, denn ich konnte von ihren Lebenserfahrungen vor Summerhill erfahren. Ich bin immer noch mit einigen in Kontakt, obwohl ich Summerhill vor fast zwei Jahren verlassen habe.

In Summerhill lernte ich Verantwortung, das Selbstbewusstsein unabhängig aktiv zu werden und die Fähigkeit mit Menschen zusammenzuleben und zu -arbeiten. Der Wert dieser Erfahrungen war besonders während meines letzten Jahres in London spürbar. In einem staatlichen Bildungssystem genauso wie in einer Wohnung voll mit unterschiedlichen Leuten. Ich fand heraus, dass so eine Transformation der Unabhängigkeit von Summerhill nach London bei mir relativ problemlos ablief. Die Zeit in Summerhill hatte mich gut darauf vorbereitet. Ende diesen Jahres werde ich die gleichen Qualifikationen wie jeder andere 18-jährige Schüler in England haben und ich werde im Anschluss an die Universität gehen - trotz der ganzen Zeit, die ich in Summerhill damit verbracht habe, mich NICHT auf die nächste Prüfung vorzubereiten. Summerhill hat mir nicht nur während meiner Kindheit die Gelegenheit zum Entdecken gegeben, es gab mir auch eine gute Basis von Freunden, die wie eine Familie sind. Und es gab mir einen Sinn für Unabhängigkeit und Selbstständigkeit, den ich den Rest meines Lebens bei mir haben werde.

Anna Ramm - Meine Erfahrungen in Summerhill


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Ich werde nicht versuchen, die überenthusiastische Geschmacklosigkeit meiner Gefühle über Summerhill zu verstecken ... Ich war eine Schülerin im Alter von sieben bis siebzehn und meine Erinnerungen dort zu gewesen zu sein, schaffen einen nostalgisch glühenden Ball in meiner Brust, der zu explodieren droht, jedesmal, wenn ich an Summerhill denke. Ich hab keine Ahnung wo ich heute sein würde, wenn ich nicht dort gewesen wäre. Es half mir Selbstbewusstsein zu entwickeln und aufzuwachsen ohne zu sehr zu einer Idiotin zu werden. Ich will damit nicht sagen, dass ich nicht blöd bin - ist das nicht jeder? Aber ich fühle, dass ich die Menschen um mich herum akzeptiere und anderer Leute Meinungen bedenke.


Als ich in Summerhill anfing, konnte ich nicht einmal "Buh" zu einer Gans gesagt. Irgendwie, bis zum Ende meiner Zeit dort, fühlte ich mich komfortabel und selbstbewusst genug meine Meinungen bei Meetings auszusprechen. Ich war eine Schul-Ombudsfrau, "Beddies Officer" (die wohl die Durchsetzung der Nachtruhe als Aufgabe hatte - Anmerkung des Übersetzers) und Versammlungsleiterin. Ich organisierte Spendensammlungen für Amnesty International und arbeitete in der Lounge für die Schuljahresende-Parties. Ich hab noch viele andere Sachen gemacht - Filmemachen, Fotografie, Theaterspiel, Singen und einfach .... Zeug.

Summerhill erlaubte mir Möglichkeiten zu entdecken und gab mir das Gefühl, alles tun zu können. Das ist ein ziemlich großartiges Gefühl. Als ich Summerhill verließ und das College anfing, war das ein bisschen wie ein Kulturschock. Ich hatte irgendwie angenommen, dass das alles gut werden würde. Aber ich fand es ziemlich schwierig. Es waren nur ein paar Leute da, mit denen ich zusammenkam und ich fand es frustrierend, nicht in der Lage zu sein, meine Zeit selbst managen zu dürfen. Der Unterricht war wirklich schlecht organisiert und es verlangte von mir Geduld. Ich entwickelte mich wieder zurück zu der leisen und schüchternen Schülerin. In meinem zweiten Jahr freute ich mich alleine zu sein und arbeitete unabhängig an Projekten. Das College hab ich nicht oft besucht, aber ich habe die Arbeit gemacht, die "Lernziele" erreicht und gute Noten bekommen. Obwohl der Tag, an dem das College schließlich zu Ende war, ein guter Tag war, bin ich wirklich glücklich darüber, dorthin gegangen zu sein. Es machte mich toleranter und unabhängiger in der großen weiten Welt außerhalb der Schule.

Bis jetzt ist meine Universitätserfahrung viel, viel besser. Der Kurs ist zu Hause in einem TV Studio in Norwich und wir haben einen Social Space, der mit den anderen zwei Jahrgängen des Kurses geteilt wird. Da ist ein Gemeinschaftsgefühl an dem Ort und ich kann aus ganzem Herzen sagen, dass ich es liebe. Heutzutage bin ich nicht so schüchtern. Ich kann Menschen, die ich nicht kenne, ansprechen und ich bin nicht versteinert, wenn ich eine Person an einem Schalter nach einem Zugticket frage. Natürlich ist das nicht alles Summerhill zu verdanken, aber es spielt eine große Rolle.

Summerhill gab mir die Zeit mich als Persönlichkeit in einer unterstützenden Gemeinschaft zu entwickeln und meinen eigenen Interessen zu folgen - ohne Restriktionen durch überflüssigen Unterricht. Ich sang in einer Band und reiste nach Athen um bei einem Festival aufzutreten. Ich machte Filme und half dabei, EUDEC aufzubauen.

Das Leben nach Summerhill war erstmal hart. Mein frühes Interesse an Fotografie und Film hat mich zu einem Abschluss im Filmemachen an der Universität meiner Wahl geführt. Man kann sagen: "Du kannst das Mädchen aus Summerhill rausnehmen, aber du kannst Summerhill nicht aus dem Mädchen rausnehmen."
Danke Summerhill!